Geburtshilfe

In welcher Situation ist eine Geburtshilfe wichtig und warum?

Die Geburtshilfe ist ein Eingriff durch den Menschen. Dieser Prozess beinhaltet unter anderem die Kontrolle der Lage des Kalbes oder den Einsatz von mechanischen und/ oder medizinischen Hilfsmitteln zur Geburt. Die Geburtshilfe ist nur im Falle von Komplikationen notwendig. Ansonsten ist es am gesündesten, sowohl für die Mutter als auch für das Kalb, wenn der Geburtsverlauf ohne Hilfsmittel stattfindet. Daher ist der Eingriff nur unter bestimmten Vorraussetzungen wirklich notwendig. Dir oder deinem Helfer muss also bewusst sein, dass es bestimmte Regeln zu befolgen gibt.

Dabei ist Fachkenntnis gefragt. Die Situation muss richtig eingeschätzt werden, da zumeist keine Geburtshilfe notwendig ist. Besonders im Laufstall mit geräumigen Abkalbeboxen können viele Kühe gut ohne Hilfe kalben. Daher solltest Du dich zunächst auf das Beobachten des Geburtsverlaufs beschränken.

Die wichtigste Voraussetzung für jede Maßnahme der Geburtshilfe ist größte Sauberkeit. Dabei müssen Hände und Arme mit Seife und warmen Wasser ausgiebig gewaschen und anschließend mit einer Desinfektionslösung abgespült werden. Auch die Scham der Kuh sowie die unmittelbare Umgebung sind mit Seife und warmen Wasser gründlich zu säubern und anschließen mit einer schwachen Desifektionslösungabzuspülen. Zuvor sind folgende Gerätschafften vorzubereiten:

  • Eimer mit warmen und kaltem Wasser;
  • mechanischer Geburtshelfer;
  • Geburtsstricke (desinfiziert);
  • Desinfektionsmittel;
  • Seife;
  • Handtücher;
  • Jodtinktur (Nabeldesinfektion);
  • Gleitmittel (Öl, Vaseline).
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Geburtshilfe:

Eingeleitet wird der Geburtsvorgang durch die Eröffnungswehen. Das schonende Erweitern der Geburtswege erfolgt durch die in die Scheide vordringende Fruchtblase (Wasserblase). Die Fruchtblase solltest Du daher nicht gewaltsam öffnen. Sie platzt in der Regel selbst, beim Eintritt des Kalbes in den Geburtskanal. Die Öffnung der Fruchtblase ist nur dann notwendig, wenn Kopf und Gliedmaßen des Kalbes bereits in der Scheidenspalte erscheinen und das Austreiben begonnen hat. In der Eröffnungsphase solltest Du das Kalb möglichst in Ruhe lassen. Dauert die Eröffnungsperiode bei Kühen länger als 3 Stunden, ohne dass die Fruchtblase erscheint, besteht Verdacht auf gebärmutterverdrehung.

Sollte die Fruchtblase innerhalb der normalen Zeit erschienen und geplatzt sein, so können Lage und Größe des Kalbes durch vorsichtiges Einführen der Hand in die Scheide festgestellt werden:

  • Bei Vorderendlage liegt der Kopf auf den ausgestreckten Vorderbeinen. Für das herausziehen ist keinerlei Eile geboten. Dabei genügt in den meisten Fällen ein leichter Zug zur Unterstützung der Wehen.
  • Bei der Hinterendlage, auch Steißlage, sind die Sprunggelenkshöcker des Kalbes spürbar. Die Afterklauen und Sohlenfläche zeigen zum Rücken der Kuh hin. Bei dieser Lage wird die Nabelschnur abgedrückt, bevor der Kopf geboren wird

 

 

Nach den Eröffnungswehen folgen die Presswehen. Diese treten in immer kürzeren Zeitabständen auf. Wenn der Kopf fast bis zu den Augenbögen sichtbar wird, solltest Du die Geburtsstricke anlegen.

Während einer Presswehen kann zur Erleichterung der Geburt mit vorsichtiger Kraftanwendung am Kalb gezogen werden. Wenn jedoch die Geburt trotz starker Presswehen nicht vorangeht, muss durch vorsichtiges Untersuchen des Geburtshindernis ermittelt und, wenn möglich, beseitigt werden. Gelingt dies nicht, so solltest Du umgehend ärztliche Hilfe herbeiholen.

Wird bei der Unterstützung der Presswehender Kopf vollständig sichtbar, dann muss gleichmäßig weitergezogen werden, bis das Kalb austritt. Besonders bei größeren Kälbern ist es vorteilhaft, wechselseitig an den beiden Extremitäten zu ziehen. Ein wenig verstärkter Zug wird notwendig, wenn die Hüfte des Kalbes durch den Beckenboden gezogen wird.

 

 

In einer Situation, bei der das Herausziehen mit der Kraft von höchstens 2 Personen nicht gelingt, so ist jeder weitere Versuch, die Geburt gewaltsam zu Ende zu bringen, zu unterlassen und tierärztliche Hilfe herbeizuholen. Dies gilt genauso nach dem Einsatz des mechanischen Geburtshelfers.

Ist eine Normalgeburt auch mit tierärztlicher Hilfe nicht möglich, so wird vom Tierarzt ein Kaiserschnitt durchgeführt. Dieser stellt für weitere Trächtigkeiten kein Problem dar.

Bei einer normalen Geburt hat das Kalb keine großen Atemschwierigkeiten und es genügt das Abreiben mit sauberem Stroh, um die Atmung anzuregen. Sollte das nicht ausreichen, dann empfiehlt es sich das Kalb durch Bewegungen und Andrücken der vorderen Gliedmaßen an den Brustkorb zu beatmem und den ,,Nackenguss“ mit kaltem Wasser durchzuführen, um die Atmung in Gang zu bringen.

 

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Nabelpflege

Ist der Nabelschnur-Rest kürzer als ein Finger, so solltest Du ihn mit der Jodtinktur desinfizieren.

Nachgeburtsperiode

Das Muttertier muss nach der Geburt nach Verletzungen untersucht werden. Damm- oder Scheiderisse müssen vom Tierarzt innerhalb von 24 Stunden untersucht werden, da sonst eine befriedigende Wundversorgung nicht zu gewährleisten ist.

Die Nachgeburt (Eihäute) soll spätestens 10 bis 12 Stunden nach der Geburt abgegangen sein. Wenn das nicht der Fall ist, musst Du den Tierarzt rufen.

 

kalb; Geburtshilfe

 

Hormonelle Geburtsauslösung

In wenigen Fällen kann bei langer Überschreitung der Trächtigkeitsdauer eine hormonelle Geburtsauslösung notwendig werden. Ein bis zwei Tage nach der Hormonverabreichung erfolgt das Abkalben. Nach dem ausgelösten Geburtsverlauf können häufiger Probleme mit Nachgeburtsverhalten auftreten.

 

Weitere Informationen findest Du in einem unseren Beiträgen ,,Kälbergeburt